Es gab eine Version von Inkful Mind, die nie ein Foto bekommen hat, kein Etikett, keine Website. Sie bestand nur aus einem Grundriss, den ich immer wieder im Kopf durchgegangen bin: vorne ein kleiner Laden, kuratiert, ohne Regalmeter, ohne das Gefühl, möglichst viel unterbringen zu müssen. Und dahinter, durch eine Tür, ein zweiter Raum. Kein Verkaufsraum. Ein Ort, an dem Menschen erst einmal ankommen sollten, bevor irgendetwas anderes passiert.
Ich habe mir vorgestellt, wie jemand dort sitzt, mit einem Blatt Papier und einem Stift, und eine Weile lang nichts tun muss außer schreiben. Vielleicht später ein kurzes Gespräch mit anderen, die auch da sind. Vielleicht auch nicht. Kein Programm, keine Anleitung, kein Ziel, das erreicht werden müsste. Ich habe diesen Raum nie „Therapie“ genannt und würde es auch heute nicht tun, das war nie meine Absicht, und ich bin dafür auch nicht ausgebildet. Es war eher der Wunsch, einen Ort anzubieten, an dem Stille erlaubt ist, ohne dass sie erklärt werden muss.
Der Gedanke dazu kam nicht aus dem Nichts. Ich habe mit der Zeit etwas beobachtet, das mich zunehmend beschäftigt hat: wie schwer es vielen Menschen inzwischen fällt, überhaupt noch bei sich selbst anzukommen. Wie oft eine Antwort im Außen gesucht wird, bevor die Frage überhaupt richtig gestellt ist. Ich sage das nicht von oben herab, ich schließe mich da ausdrücklich mit ein. Es ist einfach etwas, das mir aufgefallen ist, bei mir selbst zuerst, und dann immer öfter auch um mich herum.
Ein Laden mit zwei Räumen war meine Antwort darauf. Vorne die Werkzeuge. Hinten die Zeit, sie tatsächlich zu benutzen. Beides zusammen, unter einem Dach.
Für dieses Vorhaben hatte ich nicht die Mittel, die es gebraucht hätte, das ist die schlichte Wahrheit, ohne Umweg. Was blieb, war die Frage, ob sich wenigstens ein Teil davon anders bauen lässt. Diese Website ist die Antwort darauf. Das Journal ist der hintere Raum, so gut sich das ohne vier Wände und eine Tür eben umsetzen lässt. Der Store ist der vordere.
Ich sage bewusst, dass der Store erst nach dem Journal eröffnet hat. Das war keine Zurückhaltung aus Unsicherheit, sondern eine Reihenfolge, die mir wichtig ist: erst der Raum, dann das Regal. Wer diese Zeilen liest, ist, ohne es vielleicht zu wissen, in genau dem Teil von Inkful Mind, der mir am meisten bedeutet hat, bevor überhaupt ein Produkt existierte.
Du musst dafür nicht mehr tun, als du gerade tust. Wenn du magst, leg trotzdem für einen Moment das, was du gerade liest, zur Seite, nimm ein Blatt Papier und schreib einen einzigen Satz auf, irgendeinen, der dir gerade durch den Kopf geht. Mehr war der hintere Raum nie.